Desinfektion statt Branntwein

Schutzausrüstung – in Deutschland gerade Mangelware

Bremen: Erfinderische Firmen – Wie Unternehmen dem Aufruf aus dem Senat nachkommen und wie Neutralakohol in der Krise helfen kann. 

Durch die Corona-Krise werden Atemschutzmasken, Schutzkittel und Desinfektionsmittel knapp, aber überlebenswichtig. Medizinische Einrichtungen und Sicherheitsbehörden benötigen diese, um richtig arbeiten zu können. Nach einem Aufruf des Bremer Senats vergangene Woche, haben sich viele Unternehmen bereit erklärt zu helfen. 

Kristin Vogt, Wirtschaftssenatorin in Bremen, zieht eine positive Resonanz: „Obwohl viele Unternehmen selbst aktuell eine schwierige Zeit durchmachen, erleben wir eine unglaublich positive Resonanz, tolles Engagement und eine große Welle der Hilfsbereitschaft“, dankt sie den Unternehmern. 

Reguläre Geschäfte brechen weg

Gespendet wurden vor allem Schutzmasken. Betriebe wie die Lloyd Werft, Mercedes und die Stahlwerke Bremen haben zum Beispiel ihre Vorräte an Einrichtungen mit hohem Bedarf weitergegeben. Firmen wie BECK’s und die Brennerei „Piekfeine Brände“ haben ihre Produktion umgestellt und stellen nun vermehrt Alkohol zu Desinfektionszwecken her. „Als der Aufruf des Senats kam, waren wir schon aktiv und haben uns auch über den Industrieclub dort gemeldet“, erklärt Birgitta Schulze van Loon Geschäftsführerin der Destillerie. „Unser reguläres Geschäft ist total weggebrochen. Es kommen keine Bestellungen mehr aus den Bereichen der Hotellerie und Gastronomie.“ 

Neutralalkohol dient als Basis vieler Spirituosen

Viele der Spirituosen, die hier hergestellt werden, brauchen Neutralalkohol als Basis. Dieser wird nun an Apotheken, Arztpraxen und Physiotherapeuten verkauft.
Als dann der Zoll die Sonderregelung ins Leben rief, dass Brennereien ihre Bestände an Neutralalkohol branntweinsteuerfrei an Apotheken verkaufen dürfen, wurde unsere Branche aktiv“, beschreibt sie den Beginn der Aktion.

Die Brennerei ist eins von vielen Geschäften, die unter der Krise leiden und in der Not erfinderisch geworden sind. Der Online-Handel könnte vielleicht eine Alternative sein, die Unterstützung der Regierung vielleicht ein Anfang. Doch damit solche Unternehmen, wie die „Piekfeinen Brände“ überleben, ist vor allem eine baldige Normalisierung der Umstände von Nöten. 

Von Rieke Smit

Rieke Smit studiert internationalen Journalismus in Magdeburg, moderiert das wissenschaftliche Talkformat "Science Talk" und ist seit der Gründung bei Corona-Stories dabei. Ansonsten ist sie für Praktika und Recherche auf der ganzen Welt unterwegs.

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