Am anderen Ende der Welt

Artikelreihe: Geblieben und gegangen.

In Australien ist die Pandemie unter Kontrolle. (Foto: Leon O.)

Wie es sich anfühlt, im Ausland zu bleiben, wenn alle anderen heim zu ihren Eltern flüchten. Leben in Australien während der Pandemie. 

Koalas, Sonne und Korallen – alles verbinden wir direkt mit Australien. Der ein oder andere war vielleicht schon dort, um sich seinen Traum von Work and Travel zu verwirklichen, der andere hat das Land noch auf der Bucketlist stehen. 

Lara H. hat sich den Traum, in das Land der Kängurus zu gehen, direkt für zwei Jahre erfüllt. „Ich bin in Brisbane, Queensland, Australien und mach hier mein Master-Studium. Den Master of Business, BWL, an der University of Queensland”, erklärt sie den Grund ihres Umzugs. 

Australien hatte von Beginn an mit deutlich weniger Infektionen zu kämpfen als andere Länder. Zurzeit sind nur knapp über 7.000 Infektionsfälle bestätigt. Lara beschreibt die aktuelle Situation folgendermaßen: „Der Plan ist hier Corona komplett loszuwerden, also nicht die Herdenimmunität herzustellen. Das bedeutet aber auch, dass solange es keine Impfung gibt, Australiens Grenzen nicht wieder geöffnet werden, weil man keine neuen Infizierten ins Land lassen möchte.“ 

Familienbesuche abgesagt

Ihr Studium, an der Ostküste des Kontinents, hat Anfang des Jahres begonnen und geht planmäßig bis Dezember 2021. Dass sie ihre Familie eine Weile nur noch per Skype sehen kann, war ihr schon vor Beginn der Reise klar. „Das die Besuche für dieses Jahr ausfallen ist sehr wahrscheinlich und mega schade“, bedauert die Oldenburgerin aber, „In Zeiten von Corona ist es aber egal, ob man hundert Kilometer voneinander weg wohnt oder am anderen Ende der Welt. Man sieht sich sowieso nur über Facetime“, so Lara weiter.  

Auch am Pool gilt der Sicherheitsabstand. (Foto: Leon O.)

Gerechnet wird mit einer Grenzöffnung nicht vor 2021. Da wäre der Gedanke das Studium abzubrechen und zurück nach Deutschland zu fliegen absolut nachvollziehbar. Für die Studentin war das aber keine Option: „Ich habe ehrlich gesagt gar nicht drüber nachgedacht zurück nach Hause zu gehen. Das australische Gesundheitssystem ist sehr gut und es gab hier von Anfang an viel weniger Infektionen, als in Deutschland. Das einzige worüber ich nachgedacht habe war, was wäre, wenn sich jetzt irgendwie meine Familie anstecken würde“, erklärt sie ihre Gedanken: „Ist es dann nicht blöd so weit weg zu sein? Aber dann ist mir aufgefallen, dass wenn ich in Deutschland gewesen wäre, ebenso wenig ins Krankenhaus kommen und denen hätte helfen können. Also ist es in einem solchen Fall auch „egal“, ob ich in Deutschland oder Australien bin. Außerdem hätte ich nicht wissen können wann ich wieder in das Land einreisen kann, wenn ich jetzt zurück nach Europa geflogen wäre“, führt sie aus. 

Eine sportliche Stadt

Der Alltag in Down Under ist durch Corona trotzdem anders. „Die größte Veränderung ist, dass ich das ganze Studium jetzt im Home-Office mache. Das heißt alle Klausuren sind online und ich sehe meine Kommilitonen leider nicht mehr,“ beschreibt Lara die Situation, „es waren viel weniger Menschen draußen, wenn dann nur zum Einkaufen. Eine Maskenpflicht gibt es hier nicht, die Menschen sehen also „relativ normal“ aus. Man sieht unfassbar viele Leute draußen Sport treiben, die joggen oder am Fluss sitzen und Yoga machen. Ich finde es sehr motivierend diese Leute zu sehen“, so die internationale Studentin. 

Trotz der anderen Umstände bleibt die 21–Jährige positiv und freut sich auf die nächsten Monate: „Hier vermisse ich es Leute zu treffen, am Strand zu sein, das schöne Wetter zu genießen, raus zu gehen, aber das verschiebe ich einfach nach hinten. Wir haben im Juli vor, in unseren Semesterferien, das Land zu bereisen. Das sieht aktuell auch sehr gut aus und passt zu dem Plan der Regierung die Beschränkungen wieder zu lösen.“ Reisen und den Kontinent zu entdecken sollte also bald wieder möglich sein, nur auf Besuch von zu Hause wird die Norddeutsche leider noch eine Weile warten müssen. 

Von Rieke Smit

Rieke Smit studiert internationalen Journalismus in Magdeburg, moderiert das wissenschaftliche Talkformat "Science Talk" und ist seit der Gründung bei Corona-Stories dabei. Ansonsten ist sie für Praktika und Recherche auf der ganzen Welt unterwegs.

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