Tennis und Corona: „Das war ein bisschen komisch“

Yannick Hanfmann mit Maske auf dem Tennisplatz.
Foto: René Weiß

Sport, wie man ihn früher kannte, ist heutzutage kaum möglich. Auch die Sportart Tennis ist wie viele andere Sportarten von der Corona-Krise betroffen.Tennisprofi Yannick Hanfmann gibt uns einen Einblick.

Eigentlich wären die Spieler, wie auch der Karlsruher Yannick Hanfmann (ATP Weltranglistenplatz 143) auf Sandplatzturnieren weltweit unterwegs. Ob größerer Turniere wie in Rom, Barcelona oder Madrid – wo auch die absolute Tenniselite um Rafael Nadal wieder ganz vorne mit dabei wäre.
Aber auch beispielsweise bei uns in Deutschland, wie in Heilbronn oder in der französischen Stadt Bordeaux sollten die sogenannten Challenger-Turniere für die Spieler um Weltranglistenplatz 100+ ausgetragen werden. Aber eben nur eigentlich.

Yannick Hanfmann voll fokussiert. Foto: René Weiß

Tennis im Jahr 2020: Keine Gewissheit im Spielplan.

„Wir waren in Australien und da gab es ja diese verheerenden Buschfeuer – das war schlimm. Dann saß ich mit meinem Coach in Abu Dhabi im Flughafen und da breitete sich das Coronavirus in China gerade vermehrt aus. Vereinzelt sind auch da schon Menschen mit Masken herumgelaufen. Ich muss gestehen, dass man das damals noch ein bisschen belächelt hat. Dann kam ein Flieger aus China an und alle Menschen sind dort mit Masken ausgestiegen – das war schon ein extrem komisches Gefühl. In Deutschland hat man dann aber noch nicht so viel davon gespürt“, berichtet Yannick Hanfmann von seinen ersten Berührungspunkten mit dem Coronavirus.

Mitte März, als die Saison vorläufig abgebrochen wurde, sollte der 28-Jährige eigentlich bei einem Challenger-Turnier in Kasachstan dabei sein. Im letzten Training vor dem Abflug verletzte er sich allerdings am Finger und blieb daheim.

Plötzlich Freizeit

Der vorläufige Saisonabbruch bedeutet natürlich auch ungewohnt viel Freizeit. „Ich war die Zeit über mit meiner Freundin zusammen. Vier bis fünf Wochen am Stück Zuhause – sowas gab es vorher auch noch nicht.“ Hanfmann fügt hinzu: „Klar war das ungewohnt, die ganze Zeit an einem Fleck zu sein – aber es war auch echt cool. Ich habe das sehr genossen!“, berichtet der Tennisprofi.

Eigentlich sollte Yannick Hanfmann jetzt von Turnier zu Turnier reisen – wie hier in Braunschweig (Niedersachsen).
Foto: Kevin Poweska

Die freie Zeit habe er genutzt, um viel Yoga zu machen, ein bisschen zu lesen und sich mittels Joggen trotzdem fit zu halten. Die Pause vom Tennis könne man auch positiv sehen, meint Hanfmann: „Tennis ist schön, aber es ist auch anstrengend – da tut so eine Auszeit auch mal ganz gut. Man hat richtig gemerkt, es gibt neben dem Sport, unserer Arbeit, auch noch eine ganze Menge anderer Sachen die wichtig sind und Spaß machen.“

Eine Chance, die der Tennisprofi auch nicht jeden Tag bekommt. Spätestens als das prestigeträchtige Grand Slam Turnier in Wimbledon, London, abgesagt wurde, war allen in der Tenniswelt bewusst, dass man vorerst wohl auf den kleinen gelben Ball verzichten muss.

Der Ball wird seit Anfang Mai wieder geschlagen

In Zeiten von Corona ist es mit dem Sport weltweit natürlich so eine Sache. Während in Weißrussland so gut wie keine Beeinträchtigungen im Sport zu verzeichnen sind, sieht es überall sonst ziemlich eingeschränkt aus. Glück hatten vor allem die Sportarten Tischtennis und E-Sports, die vielerorts weiter betrieben werden konnten. An Tennis war anfangs gar nicht zu denken.

Turniere die im ATP Kalender stehen sind auf absehbare Zeit nicht zu erwarten.
Foto: Kevin Poweska

Um die Pause etwas anders zu gestalten und den Spielern auch die Möglichkeit zu geben, sich weiterhin im Wettkampf zu messen, gab es relativ schnell die Idee, ein Exhibition-Turnier (eigentlich ein Showturnier) zu veranstalten. Im Tennis ist das natürlich etwas leichter als in anderen Sportarten, da hier kein körperlicher Kontakt notwendig ist. Speziell geht es um ein Einladungsturnier an dem Tennisstützpunkt in Höhr-Grenzhausen – natürlich unter verschärften Auflagen, erzählt der Karlsruher: „Wir sind eigentlich immer mit Masken herumgelaufen. Nur in unserer eigenen kleinen Kabine und beim Essen haben wir sie abgenommen. Die Spielerbänke werden auch immer desinfiziert. Es wurde sehr darauf geachtet alles einzuhalten und auch die Polizei ist ein, zwei Mal gekommen und hat geguckt, ob die Maßnahmen umgesetzt werden.“

Einschränkungen und dennoch Stimmung

Das erste Turnier in Zeiten von Corona konnte Hanfmann gleich für sich entscheiden.
Foto: René Weiß

Ein Turnier ohne Fans hinterlasse ein komisches Gefühl bei den Sportlern, aber dennoch sei es wichtig, dadurch fit zu bleiben und auch das Gefühl des Wettkampfs aufrecht erhalten zu können– auch wenn der Handshake am Ende beispielsweise wegfällt.

Besonders schöne Ballwechsel seien aber auch ohne Zuschauer gewürdigt wurden, meint der Tennisprofi: „Das war ein bisschen komisch. In der Halle ist quasi keine Stimmung. Die einzige Stimmung die aufkommt ist die, wenn ein guter Ball gespielt wird und die Jungs von draußen aus dem Restaurant an die Scheibe klopfen.“

Dieses Exhibition-Turnier war zu dem Zeitpunkt eines der wenigen großen Live-Events weltweit. Es gab Übertragungen und natürlich viel Aufmerksamkeit für die Spieler. „Da wurde in Höhr-Grenzhausen Tennis gespielt und die ganze Tenniswelt hat es mitbekommen. Auf der ganzen Welt bekamen wir plötzlich Aufmerksamkeit – das war schon irgendwie eine surreale Situation, die wir so nicht gehabt hätten“, erinnert sich Hanfmann.

Das erste Exhibition-Turnier konnte Yannick Hanfmann auch gleich für sich entscheiden. Der erste Titel im Tennissport nach einer langen Durststrecke!

Finanzierung im Tennis: „Ein riesen Fehler, der im System liegt“

Die Challenger-Tour ist für die Spieler gedacht, die nicht in der absoluten Weltspitze aktiv sind.
Foto: Kevin Poweska

Die aktuelle Situation lenkt den Blick allerdings auch auf Problematiken. „Für den Tennissport hoffe ich, dass man das Problem erkennt, dass sich viele Spieler eben nicht selber finanzieren können“, meint Hanfmann. Spieler wie Roger Federer, Rafael Nadel oder Novak Djokovic, die Elite des Tennissports verdienen einiges an Preisgeld – doch auf den hinteren Plätzen der Weltrangliste fängt die Finanzierung langsam an zu bröckeln.

Der deutsche Tennisprofi kritisiert die finanzielle Situation im Tennissport: „Das ist eigentlich ein riesen Fehler der im System liegt.“ Es gäbe im Tennis extrem viel Geld und dabei störe ihn auch gar nicht, dass die Spitze viel verdienen würde. „Aber es wäre gar nicht so schwer, den Leuten die knapp dahinter sind und auch gut in der Weltrangliste platziert sind einen bisschen besseren Lebensunterhalt zu ermöglichen – wie beispielsweise ein Grundeinkommen das vielleicht an das Ranking gekoppelt ist“, merkt der Karlsruher Tennisprofi an. „Wenn du der 200-beste Tennisspieler der Welt bist, solltest du davon auch leben können und das ist zurzeit einfach nicht gegeben.“

Von Kevin Poweska

Kevin Poweska ist der Gründer von Corona-Stories. Er studiert Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal und ist freier Mitarbeiter beim MDR Sachsen-Anhalt beim Fernsehen, Radio und im Online-Bereich. In seiner Freizeit ist Kevin gerne sportlich aktiv. Zu seinen sportlichen Vorlieben zählen Basketball, Tennis und Fußball - aber auch neue Sportarten wie Spikeball findet er spannend.

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