Pandemie im Land der aufgehenden Sonne

Artikelreihe: Geblieben und gegangen.

Die Schutzmasken gehören auch in Japan zum Alltag. (Foto: Linus C.)

Eigentlich sollte es für Linus C. nach dem Aufenthalt und Praktikum in Tokio nach China gehen. Corona hat diese Pläne durcheinander geworfen. 

Japan. Eine Insel, 126,5 Millionen Einwohner und fremde Schriftzeichen. Eine faszinierende Gegend mit einer altehrwürdigen und vielfältigen Kultur. Linus C. lebt gerade im Herzen dieses Landes, in Tokio. 

Der Student sollte nach seinem 6-monatigen Praktikum, in der Hauptstadt Japans, eigentlich in sein Auslandssemester nach China starten. Doch die Pandemie kam auch bei ihm dazwischen und hat seine Pläne über den Haufen geworfen. „Durch Corona hat sich mein Aufenthalt hier in Tokio verlängert, weil das Auslandssemester abgesagt wurde. Dann habe ich ein Angebot von einer Kollegin bekommen, so dass ich hier noch ein zweites Praktikum ran hängen kann. Ich hätte zu dem Zeitpunkt aber auch ohne Probleme nach Deutschland wieder zurückkommen können“, erklärt er seine aktuelle Situation. 

Verfassung verhindert völligen Lockdown

Die meisten Universitäten im Ausland haben ihre internationalen Studenten gebeten gar nicht erst einzureisen. So auch China, das Land, welches als erstes von der Pandemie betroffen war. Das Nachbarland Japan hat es weniger hart getroffen. „Die Veränderungen, die ich in meinem Alltag durch Corona habe, sind eigentlich nur, dass ich seit Mitte März im Home-Office bin. Abgesehen davon treffe ich mich nicht mehr so viel mit meinen Freunden und mache nicht mehr so viel draußen, aber trotzdem immer noch relativ regelmäßig“, so der 21–Jährige, der International Operations and Logistics Management an der ESB Business School in Reutlingen studiert.  

Einschränkungen gibt es trotzdem auch in dem Land der Kirschbäume. „Veränderungen in Japan gibt es sehr wenige. Clubs und Attraktionen, wie Escape Rooms und Fitnessstudios wurden geschlossen. Restaurants und Bars schließen, seit der Notzustand ausgerufen worden ist, um 20 Uhr und sollen ab 19 Uhr keinen Alkohol mehr ausschenken“, erläutert Linus die geringen Maßnahmen, „dann waren um die erste Maiwoche rum eine Reihe von Feiertagen, das nennt sich Golden Week, da nehmen sich viele Leute ein paar Tage frei. Während dieses Zeitraums waren sehr viele Attraktionen geschlossen, zum Beispiel öffentliche Parks“, so der gebürtige Oldenburger. 

Shibuya Station – hier ist normalerweise ein Pulk von Menschen. (Foto: Linus C.)

Ziel dieser Maßnahmen sei es gewesen die Leute zu Hause zu halten. Ein richtiger Lockdown, wie zum Beispiel in Italien, darf in Japan, auf Grund der Verfassung, aber nicht ausgesprochen werden. Daher bittet die Regierung die Einwohner mehr um die Einhaltung der Regeln, anstatt richtige Beschränkungen zu formulieren. „Man kann momentan leicht Orte finden, wo sehr wenig los, aber an denen normalerweise die Hölle los ist. Die Leute bleiben nicht unbedingt zu Hause, aber man geht nicht mehr unbedingt in diese Viertel“, beschreibt Linus den Grund für das leer Bild von Shibuya, „Das heißt aber auch gleichzeitig, dass die Wohnviertel wesentlich belebter sind. Die Anzahl an Jogger ist durch die Decke geschossen. Man sieht viel mehr Leute in kleineren Parks und nicht mehr in den Hot Spots. Es verteilt sich mehr, aber die Leute gehen trotzdem raus“, erklärt er. 

Sich im Ausland registrieren

Von einer Ausnahmesituation kann man in Japan eher nicht sprechen. Trotzdem wird Linus von verschiedenen Seiten regelmäßig über die Lage im Land informiert. „Von der Bundesregierung habe ich noch kein Angebot bekommen, dass die mich nach Deutschland zurückschicken. Man kann sich aber im Internet, auf der Elefant Webseite, registrieren, dass man derzeit im Ausland wohnt. Da habe ich mehrere Info-Mails bekommen zu den aktuellen Zuständen und Informationen darüber, was aktuell möglich und nicht möglich ist“, erklärt der Student seine Entscheidung auch weiterhin in Japan zu bleiben. 

„Außerdem habe ich auch noch ein Visum, das bis Anfang September gültig ist, also stecke ich hier nicht fest“, sagt er und hat damit wohl Recht. Denn auch während der letzten Monate, ist die Fluglinie Lufthansa viermal die Woche in das Land der aufgehenden Sonne geflogen. Eine Reise zurück nach Hause ist demnach auch für Linus weiterhin ohne Probleme möglich.

Inzwischen ist auch der Notstand im Land aufgehoben worden. Die Beschränkungen sollen nun langsam aufgehoben werden. Dann kehrt bald der Alltag zurück nach Japan, zumindest Stück für Stück.  

Von Rieke Smit

Rieke Smit studiert internationalen Journalismus in Magdeburg, moderiert das wissenschaftliche Talkformat "Science Talk" und ist seit der Gründung bei Corona-Stories dabei. Ansonsten ist sie für Praktika und Recherche auf der ganzen Welt unterwegs.

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