Das Jogginghosendilemma

Mission Online (3): Autorin Laura Prüfer berichtet jeden Freitag über die Freuden und Leiden der Online-Lehre.

Verursacher meines Dilemmas: Die Jogginghosen. Foto: Laura Prüfer

Es verfolgt mich nun schon eine Weile – unerbittlich und ungelöst: Das Jogginghosendilemma. Wahrscheinlich runzeln jetzt viele von euch die Stirn und denken: „Hä? Was für ein Dilemma soll das sein? Jogginghosen sind doch super!“ Dem widerspreche ich auch nicht. Jogginghosen sind klasse! Mein Problem ist ihre momentane Omnipräsenz.

Zu Beginn der Online-Lehre war das noch anders. Da war es ein unglaublicher Genuss, sich plötzlich nicht mehr jeden Tag schick machen zu müssen, nicht mehr in enge Jeans zu zwängen oder zwickende BHs zu tragen. Da hieß es jeden Morgen: Jogginghose an, Schlabbershirt drüber – und fertig! Selbst die Dozentinnen, die immer nur im schicken Kostüm in den Hörsaal kamen, saßen in den Zoom-Konferenzen plötzlich ganz entspannt in Jogginghose da. Komfort verdrängte Modetrends. Perfektes Aussehen spielte überhaupt keine Rolle mehr. Hauptsache bequem, hieß es da. In den ersten Wochen war das die Befriedigung schlechthin.

Inzwischen hat sich diese Befriedigung allerdings in absolute Unzufriedenheit verwandelt. Warum? Dafür gibt es vorrangig zwei Gründe. Erstens: Die Kleidung, die ich trage, hat oft einen Einfluss darauf, wie ich mich fühle. Trage ich mein Lieblings-Shirt, fühle ich mich meistens besser, als in der hässlichen Jacke, die ich aus einer irgendeiner Laune heraus gekauft habe. In meinem roten Abendkleid fühle ich mich sexy, in meinen Laufschuhen sportlich und fit. Und in meiner Jogginghose fühle ich mich entspannt, ungestresst und entschleunigt. Das sind allerdings genau die falschen Eigenschaften, wenn man eigentlich Motivation für die Uni aufbringen und produktiv sein sollte. Die Jogginghose vermittelt mir das Gefühl, ich hätte dauerhaft Pause. Und das ist wirklich blöd.

Zweitens: Wenn etwas immer da ist, vergisst man es wertzuschätzen und zu genießen. Früher war es etwas Besonderes, nach der Uni in die Jogginghose zu schlüpfen und bewusst vom Arbeitsmodus in den Entspannungsmodus zu wechseln. Inzwischen ist es genau anders herum. Die Jogginghose ist zur Normalität geworden und die Jeans, das absolute Highlight. Ich muss gestehen, dass ich mich immer richtig freue, wenn ich zum Einkaufen etwas „Ordentliches“ anziehen kann. Es ist dann immer, als würde eine Art „Faulenzer-Flair“ von mir abfallen. Im Anschluss fühle ich mich dann immer super motiviert.

Das Problem dabei ist, dass ich nach dem Einkaufen wieder zurück in die Jogginghose steige. Einfach, weil es bequemer ist. Und schon bin ich zurück im Faulenzermodus. Die Jeans anzulassen ist aus Komfortgründen, aber einfach keine Alternative. Es ist zum Verrücktwerden…

Um das Jogginghosendilemma zu bewältigen, habe ich nun folgenden Schlachtplan entwickelt. Ich trage jetzt bequeme Sport-Leggings, um mich gleichzeitig motiviert und entspannt zu fühlen. Mir ist klar, dass das irgendwie geschummelt ist, aber eine bessere Idee habe ich leider nicht. Vielleicht, und mit ein bisschen Glück, geht mein Plan ja auf. Zoom-Meeting 328.657.653, ich komme!

Meine geschummelte Zwischenlösung: Sport-Leggings, Foto: Laura Prüfer

Von Laura Prüfer

Laura Prüfer ist Journalismus Studentin der Hochschule Magdeburg-Stendal. Sie hat sich gemeinsam mit den anderen Autoren dieser Website eine seriöse, gründliche und lebensnahe Berichterstattung zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland auf die Fahnen geschrieben. Abgesehen von diesem Projekt hängt ihr Herz sehr an Kulturveranstaltungen, insbesondere dem Theater, sowie dem Reisen mit all seinen neuen Erfahrungen und Erkenntnissen.

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