„Man fehlt sich gegenseitig“

Reihe: Fernbeziehung in Corona-Zeiten

Wenn man sich wenigstens mit Hilfe der Technik sehen kann.

Wie fühlt es sich an eine Fernbeziehung in ein anderes Land zu führen und das auch noch in der Corona-Zeit, wenn die Grenzen dicht sind?

Eine Fernbeziehung in ein anderes Land zu führen, ist für viele schon eine Herausforderung an sich. Man sieht seinen Partner nicht jeden Tag und teilweise nur alle paar Wochen oder Monate. Nachdem Corona in Erscheinung trat, wurde das Ganze noch schwieriger, da die Grenzen dicht gemacht wurden und somit gar keine Chance mehr bestand, den Partner in einem anderen Land zu besuchen. So erging es auch Sebastian. Der 24-Jährige führt seit vier Jahren eine Fernbeziehung mit seiner Freundin, der 22-jährigen Phaedra. Er wohnt in Hannover, sie in Wevelgem, in Belgien. Damit sind es über 500 Kilometer, die sie trennen. Der Zahntechniker ist bedingt durch Corona gerade in Kurzarbeit und hat sehr späte Arbeitszeiten, was die Kommunikation per Skype oder Telefon noch erschwert, da er noch bei der Arbeit ist, während seine Freundin schon zuhause ist. In einem Interview mit Corona Stories hat er darüber gesprochen, wie sich die Fernbeziehung in der Corona-Zeit für ihn anfühlt und wie er damit umgeht.

Corona Stories: Wie seid ihr zusammengekommen? War es direkt von Beginn an eine Fernbeziehung?

Sebastian: Es war von Anfang an eine Fernbeziehung. Diese führen wir seit über vier Jahren. Kennengelernt haben wir uns über das Internet. Aber gar nicht über irgendwelche Datingseiten oder sowas, sondern rein zufällig mal in einem Videospiel, von dem ich leider nicht mehr sagen kann, welches es gewesen ist. Das ist eine ganz witzige Geschichte. Wir haben dann einfach irgendwie angefangen miteinander zu schreiben und irgendwann gab es dieses Spiel nicht mehr und wir haben dann einfach weiter geschrieben. Das Ganze ist dann im Sand verlaufen, aber irgendwann haben wir uns dann online, bei Facebook war das glaube ich, wiedergefunden. Wir haben dann miteinander geschrieben und im März 2016 bin ich das erste Mal zu ihr rüber gefahren nach Belgien. Sie ist auch gebürtige Belgierin. Unterhalten tun wir uns eigentlich fast nur auf Englisch, sie spricht nur sehr, sehr gebrochen Deutsch. Ich habe zwei Jahre lang Holländisch gelernt, aber bin noch nicht gut darin.

Wie oft seht ihr euch normalerweise?

Sebastian: Wir versuchen das so oft wie möglich hinzukriegen. Da wir beide arbeiten, müssen wir ein bisschen mit unseren Urlaubstagen schauen, wie wir das am Besten machen. Manchmal machen wir es so, dass wir uns den Freitag freinehmen und ein verlängertes Wochenende haben. Alle paar Monate machen wir das dann so, dass wir dann sagen wir nehmen uns eine ganze Woche frei, dass wir so ungefähr zehn Tage am Stück haben, an denen wir uns auch mal sehen können. Wir schauen, dass wir das so ungefähr einmal im Monat hinkriegen. Wir machen das immer im Wechsel. Wir haben beide ein Auto, das heißt, sie kann hier her fahren oder ich fahre nach drüben. Aber so richtig auf längere Zeit sehen, tun wir uns nur alle paar Monate.

In der Corona-Zeit konntet ihr euch jetzt gar nicht sehen?

Sebastian: Nein, wir haben uns gar nicht sehen können, aufgrund der hohen Todeszahlen in Belgien und weil dort sehr viele alte Leute leben, wurden die Grenzen komplett geschlossen. Wir haben uns das letzte Mal Anfang Februar gesehen und seitdem gar nicht mehr. Seitdem ist der einzige Weg uns zu sehen, per Videochat. Es ist doof, aber wir können es leider nicht ändern.

Körperliche Nähe ist momentan durch Corona nicht möglich. Foto: Sebastian Fricke

Wie fühlt es sich an so lange getrennt zu sein?

Sebastian: Mit einem Wort ausgedrückt: doof. Also es ist schwierig. Man vermisst sich auf jeden Fall. Es ist einsam, man fehlt sich gegenseitig. Es ist die körperliche Nähe, es ist einfach das Zusammensein, das fehlt. Den Menschen den man liebt, man weiß, man kann ihn nicht sehen auch wenn man jetzt sofort losfahren würde. Man kommt gar nicht dort an. Es ist gar nicht so leicht zu beschreiben… Der aktuelle Stand ist, dass am 15. Juni die Grenzen wohl wieder geöffnet werden sollen. Aber ich denke mal, dass es an der Grenze sehr voll werden wird. Ich gehe davon aus, dass ich in der Woche oder in der darauffolgenden Woche rüber fahren werde. Wir haben uns jetzt vier Monate nicht gesehen. Das ist wirklich hart.

Wie habt ihr es später geplant? Möchtet ihr zusammenziehen?

Sebastian: Der Plan war ursprünglich, dass ich zwischen April und Mai eigentlich nach Belgien zu ihr und ihren Eltern ziehen wollte und dort eine Umschulung machen. Das ist in Belgien einfacher und geht nur ein Jahr. Ich würde also rüber gehen, dort zur Schule gehen, einen Job suchen und eine eigene Wohnung oder Haus suchen. Was sich dann halt ergeben würde, um dort ein eigenes Leben aufzubauen. Aber da die Grenzen zugemacht wurden, ist das jetzt alles etwas schwerer geworden. Wir glauben auch nicht, dass das dieses Jahr noch etwas werden wird.

Was habt ihr in der Zeit gemacht um es erträglicher zu machen? Hast du Tipps?

Sebastian: Generell schreiben wir sowieso jeden Tag über WhatsApp. Was wir auch vorher schon gemacht haben. Einfach eine gemeinsame Routine in das Leben zu bringen, auch wenn man sich nichts zu sagen hat in dem Sinne, einfach das täglich füreinander da sein können. Wir versuchen auch so oft wie möglich, miteinander zu telefonieren, oder auch zu videochatten. Einfach, die Stimme des anderen hören. Sich auch über das Video einfach sehen zu können, das ist wirklich viel wert. Ganz egal, ob man sich was zu sagen hat oder nicht. Manchmal reicht das schon aus, wenn man jemand vermisst, das in dem Sinne zu lindern. Manchmal spielen wir spielen über das Internet irgendwelche Games oder reden über Blödsinn. Oder wir gucken über Plattformen gemeinsam einen Film. Auch wenn man nicht nebeneinander sitzt, tut man es trotzdem zusammen.

Von Nina Barth

Nina Barth ist in den Endzügen ihres Journalismusstudiums an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Sie ist seit Beginn der Gründung von Corona-News-Deutschland mit dabei und arbeitet als Redakteurin und Social-Media-Managerin. Neben ihrer Tätigkeit im Bereich Journalismus, ist sie auch als Schriftstellerin und Autorin unterwegs.

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