Bonuskarte, Bücher, Bachelorarbeit

Meine derzeitige Aussicht: Hunderte Bücherregale, Schreibtische, fleißige Studierende mit Mindestabstand und ihre schnell tippenden Finger.

Die Aussicht vom Schreibtisch in der Universitätsbibliothek. Foto: Leonie Meyer

Gerade befinde ich mich in den letzten Zügen meines Studiums. Neben vier Onlinekursen folgt jetzt „nur“ noch die Bachelorarbeit. Hier in Magdeburg, in Sachsen-Anhalt, haben die Bibliotheken zum Glück geöffnet.

Donnerstagmorgen, halb zehn. Ich treffe mich mit drei Freundinnen zum Kaffee trinken auf dem Unicampus. Wir sind in dem Café dort so oft, dass unsere Bonuskarten bald voll sind. Bei zehn Getränken gibt es einen Kaffee gratis – das ist unser Ziel für die letzten Wochen im Semester! Nach einem kurzen morgendlichen Austausch über unsere Zukunftspläne, wenn man sie während der Corona-Pandemie überhaupt planen kann, geht es für uns in Richtung Bibliothekseingang.

Auf dem Campus gibt es spezielle Maßnahmen, um während der Pandemie alles zu kontrollieren, beispielsweise die Anzahl der eintretenden Studierenden. Die Security regelt das Ein- und Austreten im Reißverschlussverfahren. Vor dem Eingang setze ich meine Maske auf, halte mich an die Klebestreifen mit dem Mindestabstand auf dem Boden, gehe durch die Schiebetüren und scanne den Bibliotheksausweis. Danach werden nochmal schnell die Hände desinfiziert. Auf der gegenüberliegenden Seite geht es zu den Schließfächern nach unten. Dort schnappe ich mir einen blauen Korb und lege nur die notwendigsten Dinge rein, die ich zum Arbeiten brauche: Laptop, Bücher, Stifte, Post it’s, Portemonnaie, eine Flasche Wasser, Ladekabel, Kopfhörer und mein Handy.

Der blaue Bib-Korb mit den Essentials zum Arbeiten. Foto: Leonie Meyer

Mit den wichtigsten Dingen geht es die Treppen nach oben, durch den nächsten Eingang, in den großen Bibliothekssaal. Noch haben wir keinen speziellen Stammplatz, an den wir uns immer setzen. Stattdessen probieren wir unterschiedliche Plätze aus, damit sich die Aussicht hier und da etwas ändert – wobei, Bücherregale und andere Studierende sieht man eigentlich immer. Nach unzähligen Treppenstufen mit der Atemschutzmaske vor Mund und Nase ist man am finalen Platz manchmal echt aus der Puste. 

Mein heutiger Arbeitsplatz ist ein großer Schreibtisch, links von mir das Geländer, unter mir andere Studierende an ihrem Tisch und natürlich: Bücher. Überall um mich herum befinden sich Regalreihen voller Wissen, die mich stetig daran erinnern, dass ich hier nicht zum Spaß sitze. Vor und hinter mir haben sich meine Freundinnen platziert. Hier sitzen wir nun und hauen alle fleißig in die Tasten. Ein Geräusch, das ich inzwischen einfach ausblende. Außerdem hört man mal schleichende Schritte auf den Treppen, Glastüren zu Einzelarbeitsräumen, die sich schließen und leises Geflüster. Eine ruhige Arbeitsatmosphäre, so leise, dass man sich kaum traut einen Stift anzuheben. Es riecht nach alten Büchern, die nur darauf warten mal wieder in die Hände genommen zu werden. Ab und zu weht aber auch etwas frische Luft durch die offenen Fenster herein.

Heute steht meine Bachelorarbeit auf dem Plan. In zwei Wochen melde ich sie an, deshalb befinde ich mich gerade noch in der Vorbereitungsphase. Also setze ich mich an die Ausarbeitung meiner Methode für die Analyse und lese weiter die Literatur für mein Thema. Möglichst viele meiner bunten Post it’s in die Bücher von mir zu kleben, ist heute das Ziel.

Das „Post it’s-System“: Weniger wichtig ist dennoch wichtig genug. Foto: Leonie Meyer

Langsam fühle ich, dass meine Augen immer kleiner werden. Die Uhr auf dem Laptop zeigt 17.15 Uhr und erst dann bemerke ich die wenig besetzen Schreibtische. Auch für mich neigt sich der Tag in der Bibliothek dem Ende und ich reflektiere, was ich alles geschafft habe. Ich packe meine Sachen zusammen, setze meinen Mundschutz auf und gehe zu den Schließfächern. Der blaue Korb wird wieder auf den Stapel gestellt und wartet für morgen auf mich. Mit meiner Tasche geht es zum Ausgang und ich werde gebeten noch kurz stehen zu bleiben, damit jemand von draußen eintreten kann. Dann bin ich an der Reihe: Ausweis scannen, durch die Schiebetür und draußen die Maske absetzen. Durchatmen. Und morgen wieder von vorne.

Von Leonie Meyer

Leonie hat den Bachelor of Arts in Journalismus mit dem Schwerpunkt Internationalen Journalismus an der Hochschule in Magdeburg erfolgreich abgeschlossen. Als leidenschaftlich kreative Person möchte sie die Menschen sowohl mit Bild, Video und Text informieren und inspirieren. Sie liebt es neue Länder zu entdecken - Kulturen, Sprachen und Menschen kennenzulernen sind für jeden wertvoll.

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