Stressfaktor Online-Klausur

Mission Online (6): Autorin Laura Prüfer berichtet jeden Freitag über die Freuden und Leiden der Online-Lehre.

Insgesamt gibt es glaube ich nur drei Dinge, die Studierende wirklich stressen. Erstens: Vorlesungen, die vor 8:30 Uhr beginnen. Zweitens: Wenn keine Nudeln im Haus sind. Drittens: Klausuren schreiben.

Seit Beginn der Online-Lehre ist „Erstens“ allerdings kein Problem mehr. Es gibt kaum noch Live-Veranstaltungen, die so zeitig stattfinden. Und wenn doch mal eine ansteht, dann reicht es ja, wenn man im Bett sitzen bleibt und den Laptop aufklappt. Auch „Zweitens“ sollte seit dem Beginn der Corona-Pandemie kein Thema mehr sein. Schließlich dürfte es keinen Haushalt in Deutschland mehr geben, der nicht mindestens zehn Packungen Nudeln im Keller hat.

Bleibt als Stressfaktor also nur noch Drittens. Klausurenphase bedeutet nach wie vor nächtelanges Büffeln, weil man schon wieder viel zu spät angefangen hat und einen Kaffeekonsum, der jeden Arzt in Alarmstimmung versetzen würde. Am Tag der Klausur hofft man dann einfach nur, kein Blackout zu bekommen und in der vorgegebenen Zeit auch alles zu schaffen. Klausuren schreiben ist also unter Normalbedingungen schon nicht lustig.

Durch die Umstände der Corona-Pandemie wird das Klausurenschreiben allerdings noch einen Ticken anspruchsvoller. Bei uns findet jetzt nämlich auch das online statt. Ist doch toll, mögen einige jetzt denken. Dann kann man entspannt mit seinem Kaffee und allen Materialen die Aufgaben lösen. Mag sein, aber dafür sind aus Multiple-Choice-Klausuren jetzt beispielsweise aufwendige Anwendungsaufgaben geworden.

Online noch weniger spaßig, als in Präsenz: Klausuren

Dazu kommt, dass einem die Technik jeder Zeit einen Strich durch die Rechnung machen kann. Aus diesem Grund haben wir letzten Dienstag eine Probe-Klausur geschrieben. Sie sollte uns und die Dozenten darauf vorbereiten, was im Ernstfall alles schief gehen kann. Und ich sage euch, da gibt es eine ganze Menge.

  • Punkt eins: Der Laptop stürzt ab.
  • Punkt zwei: Der Laptop hat keinen Akku mehr und geht aus.
  • Punkt drei: Das Internet ist schlecht und der Upload der Dateien dauert ewig.
  • Punkt vier: Es klingelt an der Tür, und man muss akribisch so tun, als sei man nicht da, um nicht aus der Konzentration zu fallen.
  • Punkt fünf: Man verfällt in Panik, weil die Zeitanzeige so penetrant jede einzelne Sekunde herunter zählt, als wäre man Teil eines Wettlaufs.
Mit doppelter Abgabe und penetrantem Timer – Auch Klausuren finden jetzt online statt, Screenshot: Sabine Spohr (Quelle: moodle-Website der Hochschule Magdeburg-Stendal)

Was mich allerdings am meisten stört, ist die fehlende Kulanz der Technik. Zur Sicherheit sollten wir unsere Ergebnisse doppelt abgeben. Einmal als Datei und einmal in einem Textfeld auf der Website. Als ich meine Lösung in das Textfeld eingefügt hatte, blieben mir noch exakt 18 Sekunden um alles nochmal als Datei hochzuladen. Panisch versuchte ich den Speicherort meines Dokuments zu finden. Ich war zu langsam. Es muss sich um wenige Sekunden gehandelt haben, aber die Abgabefrist war vorbei. Im Endeffekt war das nicht schlimm, schließlich war alles nur eine Probe und die Hälfte der Abgabe hatte funktioniert. Trotzdem blieb ich mit pochendem Herzen zurück. Was, wenn in der richtigen Klausur etwas schief geht? Im Hörsaal gewähren einem die Dozenten meist einige Sekunden oder Minuten Kulanzzeit. Die Technik aber, so viel weiß ich jetzt, die drückt kein Auge zu. Nicht einmal ein halbes.

Von Laura Prüfer

Laura Prüfer ist Journalismus Studentin der Hochschule Magdeburg-Stendal. Sie hat sich gemeinsam mit den anderen Autoren dieser Website eine seriöse, gründliche und lebensnahe Berichterstattung zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland auf die Fahnen geschrieben. Abgesehen von diesem Projekt hängt ihr Herz sehr an Kulturveranstaltungen, insbesondere dem Theater, sowie dem Reisen mit all seinen neuen Erfahrungen und Erkenntnissen.

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